Graffiti und Streetart waren lange verachtet, galten als Schmiererei und keine Kunst. Ein Stil der Straße, der wenig mit Hochkultur der Kunst zu tun hatte. Dabei folgte Graffiti und Streetart schon immer seinen Regeln, seinen eigenen Qualitätsstandards und war oftmals klarer Ausdruck von Missständen und gesellschaftlichen Belangen.
Eine Kunst von der Straße sichtbar für alle.
So war es lange, bis Städte und ihre Verantwortlichen erkannten, dass Streetart ein Nutzen haben kann und Graffiti und Urbane Kunst raus aus der illegalen Ecke geholt wurden und für legale Projekte zum Trend wurden.
Heute profitieren Städte von der öffentlichen Kunst. Stadtmarketing und Kulturtourismus planen mit BesucherInnen, die kommen, um sich die Wandgemälde anzusehen und damit andere Branchen der Stadt wie Gastronomie und Einzelhandel profitieren.
Ein Beispiel für die Bedeutung von Streetart ist sicherlich Heerlen. Nach Mienenschließungen und einer Welle von Arbeitslosigkeit sowie fehlender wirtschaftlichen Perspektiven war Heerlen lange vor allem für Drogenhandel und Kriminalität bekannt. Leerstand und Perspektivlosigkeit waren vorherrschend, bis die Stadtpolitik einen neuen Kurs setzte.
Neben architektonischen Änderungen gab die Politik Flächen frei und lud berühmte KünstlerInnen ein, Murals zu malen.
Allerdings blieb auch das nicht ohne Folgen. Denn was die Politik versäumte, war die KünstlerInnen aus Heerlen einzubeziehen. Nur internationale Maler bekamen Flächen, während die heimischen Streetartists in ihrer Stadt keinen Platz bekamen.
Daraus entwickelte sich ein Protest, bei dem Dave de Leeuw und Vincent Lancee den „Heerlener Reiher“ überall in der Stadt hinmalten, bis die Politik darauf aufmerksam wurde und erkannte, dass sie nicht nur internationale KünstlerInnen brauchte, sondern die eigenen ebenfalls fördern müssen. Heute prangt der „Heerlener Reiher“ als großes Wandgemälde am Stadteingang von Heerlen.
Heerlen gilt mittlerweile als inoffizielle „Wandbild-Hauptstadt“ der Niederlande. Doch selbst dort ist es nach einem Politikwechsel nicht mehr so leicht für Artists in ihrer Stadt öffentlichen räum zu bekommen.
Aber dennoch zeigt das Beispiel, dass ein Streetart Freilichtmuseum nicht nur tausende BesucherInnen in die Stadt lockt, sondern auch, dass es eine Kooperation geben muss mit der heimischen Graffitiszene. Und dabei geht es auch immer um Respekt und die Bereitschaft, nicht nur etwas von der Szene zu wollen, sondern auch etwas für die Streetartszene zu tun.
Gerne werden die KünstlerInnen genutzt, um eine Stadt aufzuwerten, für den Kulturtourismus etwas zu tun, womit sich die verantwortlichen Stadtplaner und Kulturbetriebler feiern können, aber die Dankbarkeit sollte ganz beim Artist liegen. Und wie es dann mit einer fairen Vergütung aussieht, steht nochmal auf einem anderen Blatt.
„Die Welt gehört jetzt Hip-Hop, hier ist das Zertifikat (Yes)
Wir war’n die Underdogs, wurden zu den Chosen Few (Chosen Few)
Herzlich willkomm’n zur neuen Hochkultur (Welcome)
Sie hab’n uns nur belächelt, sie legten uns Steine in‘ Weg
Prognostizierten, dass der Trend auf keinen Fall überlebt (Ah)
Doch schau dich um in dieser Welt, wir haben alles geprägt“
Samy Deluxe „Martinshorn“